Als Spross einer traditionsreichen Soldatenfamilie
von frühester Jugend an auf den Dienst als Kavallerieoffizier vorbereitet,
trat der begeisterte und erfolgreiche Turnierreiter im Jahre 1934 ins Reiterregiment
15 ein. Seiner Ernennung zum Fähnrich folgte eine gründliche
Ausbildung, die er 1936 mit der Beförderung zum Leutnant abschloss.
Der äußerst korrekte und tapfere Offizier führte bei Kriegsausbruch
eine Schwadron der Aufklärungsabteilung der 6. Infanteriedivision
an. Im Polenfeldzug wurde Oberleutnant von Boeselager als Führer von
berittenen Spähtrupps eingesetzt und bereits mit dem Eisernen Kreuz
2. Klasse ausgezeichnet.
Während des Frankreichfeldzuges mit seiner Abteilung stets an
der Spitze der Division (XXXVIII. Armeekorps), erhielt Oberleutnant von
Boeselager Anfang Juni 1940 den Befehl, die für den weiteren Vormarsch
wichtige Seine-Brücke bei Les Andelys zu besetzen. Nachdem diese jedoch
von den Franzosen zerstört worden war, setzte er mit seinen Männern
kurzerhand über den Fluss und bildete trotz heftigem Feindbeschuss
einen Brückenkopf, der bis zum Eintreffen von Verstärkung gehalten
werden konnte! Am 13.06. erhielt er im Feld dafür das EK.I verliehen
und wurde wenig später namentlich im Wehrmachtsbericht genannt.
Am 18.01.41 wurde Oberleutnant von Boeselager für diese Tat sowie
Tapferkeit im Gefecht als zweiter Soldat der Heereskavallerie zudem mit
dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Ihm war lediglich der spätere Schwerterträger
und damalige Aufklärungskommandeur der 5. Infanteriedivision, Rittmeister
Horst Niemack, "zuvorgekommen".
Ein halbes Jahr später führte Rittmeister (01.07.41) von
Boeselager seine Schwadron in den ersten Phasen des Russlandfeldzuges an.
Der junge Kavallerieoffizier nahm an der Doppelschlacht von Bialystok-Minsk,
den Kämpfen im Njemen- und Düna-Brückenkopf sowie den Schlachten
bei Smolensk und Kelnja teil. Nach erneut großen Gefechtserfolgen
bei Bjeljoj und der Winterschlacht vor Moskau wurde Georg von Boeselager
für seinen Leistungen von der Division und dem Armeekorps zum Eichenlaub
eingereicht. Wenige Tage, nachdem er diese Auszeichnung als erst 53. Soldat
der Wehrmacht erhalten hatte, wurde er vom Fronteinsatz zurückgezogen
und nach Deutschland versetzt.
1942 hatte der Rittmeister eine Zeit lang den Posten eines Taktiklehrers
an der Schule für Schnelle Truppen in Krampnitz inne. Trotz mehrfacher
Angebote seiner Vorgesetzten, sich doch in die modernere Panzerwaffe versetzen
zu lassen, blieb der junge Offizier bei der Reiterei. Während der
Heimatverwendung knüpfte Georg von Boeselager aus tiefster Überzeugung
und allen Risiken zum Trotz erstmals Kontakte zum Militärischen Widerstand.
Nach der Lehrverwendung in Deutschland fungierte er als Ausbildungsoffizier
für verbündete Kavallerieverbände im rumänischen Torgoriste.
Doch der rückwärtige Dienst behagte dem Vollblutsoldaten
nicht - sein erklärtes Ziel war es, die etwas in den Hintergrund geratene
Kavallerie zu modernisieren und als eine Art berittene Infanterie mit hoher
Mobilität einzusetzen. Im Herbst 1942 gelang es dem Eichenlaubträger
schließlich auf Vermittlung seines Bruders Philipp - seines Zeichens
Ordonnanzoffizier beim Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte - diesbezüglich
bei GFM von Kluge vorsprechen zu dürfen. Seine konstruktiven Ausführungen
und Ideen hatten schließlich Erfolg - bereits einige Wochen später
erhielt Georg von Boeselager Befehl, nach seinen Vorstellungen das Kavallerieregiment
Mitte aufzustellen. Die I. Abteilung dieses Regiments wurde von seinem
Bruder Philipp übernommen, der hier 1944 das Ritterkreuz erhielt und
bei Kriegsende Kommandeur des Reiterregiments 31 war.
Später erhielten auch die Heeresgruppen Nord und Süd je ein
eigenständiges Kavallerieregiment. Von Boeselagers Idee war von Erfolg
gekrönt und rettete das deutsche Kavalleriekorps vielleicht vor der
endgültigen Auflösung.
Obwohl wieder an der Front, hielt Georg von Boeselager weiterhin Kontakt
zum Militärischen Widerstand, so dass er in einen riskanten Plan eingeweiht
wurde. Als Hitler im März 1943 das Hauptquartier der Heeresgruppe
Mitte besuchte, planten einige couragierte Offiziere einen Bombenanschlag
auf dessen Flugzeug. Georg und sein eingeweihter Bruder Philipp meldeten
sich dafür freiwillig, nachdem sie sich der Unterstützung einiger
Offiziere ihres Regiments versichert hatten. Der Widerstand entschied sich
jedoch für einen anderen Ausführenden - der Anschlag schlug allerdings
fehl.
Durch ihren Fronteinsatz waren beide von Boeselagers später nicht
mehr am Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt.
1943 führte Major (01.06.43) von Boeselager sein ihm ergebenes
Regiment in Anti-Partisanenaktionen bei Orscha und Witebesk, den blutigen
Gefechten der Operation "Zitadelle" sowie den schweren Defensivkämpfen
bei Orel und Brjansk. Im Juli gelang dem Regiment trotz äußerst
hoher Verluste (300 Mann in 3 Tagen!) die Zurückweisung und Dezimierung
von drei russischen Schützendivisionen. Im Oktober 1943 wurde von
Boeselager verwundet, die Stärke seiner Einheit fiel nach den schweren
Verlusten auf nur 4 Offiziere und 47 Mann! Im September erhielt Oberleutnant
König, Kommandant der tapferen 1. Schwadron, auf Boeselagers Antrag
das Ritterkreuz verliehen.
Schon im Frühjahr 1944 wurde Oberstleutnant (01.12.43) von Boeselager
erneut verwundet und mit mehreren Steckschüssen im linken Oberschenkel
in ein Feldlazarett eingeliefert. Die Heilungsphase verlängerte sich
aufgrund von Komplikationen immer wieder, später kam auch noch eine
Lungenentzündung hinzu.
Obwohl seine Wunde noch nicht ganz verheilt war, kehrte von Boeselager
im Sommer wieder an die Front zurück und übernahm die 3. motorisierte
Kavalleriebrigade im Südabschnitt der Ostfront, nachdem der bisherige
Kommandeur Oberst Freiherr von Wolff (61. Eichenlaub) gefallen war. Die
aus drei Reiterregimentern und einer Panzeraufklärungsabteilung bestehende
Brigade bewährte sich in den Abwehrschlachten, den Kämpfen nördlich
der Pripjet-Sümpfe und im Narew-Bug-Abschnitt.
Obwohl noch immer durch das schmerzende linke Bein in seiner Kommandotätigkeit
behindert, führte von Boeselager am 26. August 1944 mit Teilen seiner
Brigade und einer unterstützenden Panzerabteilung einen erfolgreichen
Flankenangriff gegen eine sowjetische Schützendivision am Bug. Am
nächsten Tag konnte ein russischer Gegenangriff zum Stehen gebracht
und der eigene Angriff fortgesetzt werden. An diesem Tag fand Oberstleutnant
Georg von Boeselager jedoch, vor seinem Schützenpanzer stehend, durch
schweres Maschinengewehrfeuer den Tod.
Im Laufe des Tages kostete der von ihm eingeleitete Angriff dem Gegner
noch 15 Panzer und 12 Pak-Geschütze. Drei Monate später erhielt
er in Anerkennung seiner großen militärischen und taktischen
Erfolge postum die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und die Beförderung
zum Oberst.
Der Wehrmachtsbericht vom 01.09.44 enthielt folgende Meldung: "In den
schweren Abwehrkämpfen zwischen Bug und Narew hat sich die 3. Kavalleriebrigade
durch unermüdlichen Angriffsschwung und Härte ausgezeichnet.
An ihrer Spitze fand der bereits 1942 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz
ausgezeichnete 28jährige Brigadekommandeur Oberstleutnant Georg Freiherr
von Boeselager den Heldentod."
Im Laufe des Krieges verlor die Familie von Boeselager insgesamt drei
Söhne, lediglich Philipp überlebte und diente später als
Oberstleutnant der Reserve erneut in der Bundeswehr.
Die bundesdeutschen Streitkräfte ehrten den gefallenen Widerstandskämpfer
später mit der „Freiherr von Boeselager“-Kaserne in Munster. |