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James Edgar Johnson wurde 1915
in England geboren und gehörte als Sportpilot 1938 zum Reservekorps
der Royal Air Force – eine von ihm angestrebte Übernahme in den aktiven
Dienst war im Laufe der Zeit aus Platzgründen dreimal abgelehnt worden.
Bei Kriegsbeginn als Sergeant
einberufen und zur Jagdfliegerschulung beordert, erreichte Johnson – nach
einer durch Krankheit bedingten (Schulterentzündung) Verzögerung
– erst im Frühjahr 1941 die Fronttruppe. Als Pilot der No. 616 Squadron
flog er seine ersten Fronteinsätze auf einer Supermarine Spitfire
und erzielte bereits am 15. Januar 1941 über einen Bomber seinen ersten
anteiligen (0,5) Luftsieg. Unter den Augen – und später sogar als
Flügelmann - seines berühmten und erfahrenen Geschwaderkommandeurs,
dem Fliegerass Douglas Bader (20), mauserte sich der junge Johnson schnell
zum guten Schützen und verlässlichen Rottenführer, schoss
im Juni eine und im Juli zwei Bf 109 ab und wurde im September 1941 zum
Fliegerass. Daraufhin zum Offizier befördert, erhielt Johnson hierfür
das DFC verliehen.
Neben Routineeinsätzen
über dem Ärmelkanal, Frankreich und Belgien nahm „Johnnie“ Johnson
u.a. auch an so wichtigen Einsätzen wie dem (fehlgeschlagenen) Landeunternehmen
bei Dieppe teil. Hierbei erlitten die Briten jedoch hohe Verluste durch
deutsche Jagdflieger. Johnson selbst erlebte hier die, wie er selbst sagte,
heikelste Situation des ganzen Krieges, als er auf der Flucht vor einer
verfolgenden Messerschmitt irrtümlich in die Schusslinie eines aus
allen Rohren feuernden britischen Flak-Zerstörers flog und Blut und
Wasser schwitzte, ehe er unbeschadet hochziehen konnte.
In all seinen Luftkämpfen
glänzte James Johnson durch herausragende taktische Eigenschaften.
Er holte das Letzte aus seiner Spitfire heraus, erzielte aus so gut wie
jeder Fluglage Treffer und konnte sich bei Kriegsende rühmen, nur
ein einziges Mal von feindlichen Geschossen getroffen worden zu sein –
in letztendlich 516 Einsätzen.
Der deutsche Pilot, dem dies
geglückt war, war wahrscheinlich niemand geringerer als Oberst Josef
„Pips“ Priller – Geschwaderkommodore der berühmten „Abbeville-Boys“
(Jagdgeschwader 26), Sieger in 101 Luftgefechten und Träger des Ritterkreuzes
mit Eichenlaub und Schwertern. Für wahr ein großer Gegenspieler.
Bereits im Sommer 1942 wurde
der 27jährige Johnson, bereits ein Ass mit sieben Siegen, zum Squadron
Leader befördert und mit der Führung der No. 610 Squadron beauftragt.
Diese führte er in über 200 Einsätzen an - freie Jagd über
Frankreich, Abwehr von Angriffen über dem Ärmelkanal, Begleitschutz
für mittlere Bomber über Europa, Jagdbomberangriffe in Nordfrankreich
und strategische Aufklärung. Seltsamerweise konnte Johnson in diesen
vielen Einsätzen nur einen weiteren Abschuss erzielen. Das Blatt wendete
sich erst wieder, als der fähige Offizier im Februar 1943 das meist
aus Kanadiern bestehende 127th Fighter Wing in Kenley übernahm. Diese
Einheit konnte sich während den nächsten Monaten in der harten
Rolle des Begleitschutzes für Bomber nach Frankreich und Deutschland
bewähren – Johnson selbst schoss in sieben Monaten 14 Jagdmaschinen
vom Typ Bf 109 und Fw 190 ab und wurde nach nun insgesamt 22 Luftsiegen
als Wing Commander vom Kampfeinsatz zurückgezogen. Gleich zweimal
mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet, wurde „Johnnie“ Johnson
in den Stab des Fighter Command nach London versetzt, wo er weitere wertvolle
Erfahrungen sammeln konnte.
Während dieses Stabsdienstes
konnte er u.a. an der Verbesserung der Begleitschutztaktiken sowie an der
jagdtaktischen Vorbereitung der Invasion in Frankreich mitarbeiten. Um
bei letztgenannter Großoperation selbst mit dabei sein zu können,
erreichte Wing Commander Johnson im März 1944 seine Rückversetzung
zur Fronttruppe. Als Geschwaderkommodore der 144th Tactical Fighter Wing
zog das Fliegerass in die Operation „Overlord“ – der lang erwarteten Invasion
in der Normandie - und flog während des ersten Tages über den
umkämpften Landezonen vier Einsätze.
Zu diesem Zeitpunkt war der
ehemalige Reservist hinter dem berühmten Haudegen „Sailor“ Malan (27)
das erfolgreichste noch im Einsatz stehende Fliegerass der Royal Air Force.
Zwischen Juni und September
1944 blieb Johnson mit seiner neuen Spitfire IX in 10 weiteren Luftgefechten
Sieger (so am 23.08.44 zwei Fw 190) und wurde mit letztendlich 34 bestätigten,
3 unbestätigten Siegen sowie 13 beschädigten Gegnern (alles Jagdmaschinen)
zum erfolgreichsten lebenden (Pattle war 1941 gefallen) Jagdflieger der
Royal Air Force sowie der gesamten Westalliierten in Europa.
Im Herbst 1944 vom Kampfeinsatz
zurückgezogen, war Wing Commander Johnson mit drei Distinguished Service
Order und zwei Distinguished Flying Cross einer der höchst dekoriertesten
Piloten der Streitkräfte geworden. Unerreicht geblieben sind seine
516 belegten Jagdeinsätze (manche britische Historiker sprechen übertriebenermaßen
sogar von fast 1.000). Einen letzten Sondereinsatz leitete Johnson unmittelbar
vor Kriegsende, als er eine britische Begleitschutzgruppe nach Berlin führte,
um hier ein in Ostpreußen gestartetes russisches Bombergeschwader
zu schützen.
Insgesamt wurde Johnson
etwa 70mal in Luftkämpfe verwickelt – in 46 erzielte er Treffer.
Neben den bereits erwähnten
hohen Auszeichnungen hatte der Geschwaderkommandeur inzwischen auch das
amerikanische Distinguished Flying Cross, das französische und das
belgische Croix de Guerre sowie den belgischen „Order of Leopold“ erhalten.
Im März 1945 zum Group Captain befördert (1940 noch Unteroffizier)
und zuletzt Kommandeur der 125th Fighter Wing, blieb „Johnnie“ Johnson
nach Kriegsende in der Royal Air Force und kam hier während des Koreakrieges
als britischer Luftwaffenberater in amerikanischen Stäben zum Einsatz.
Für einige persönliche Jagdbombereinsätze mit dem amerikanischen
Legion of Merit beliehen, kommandierte Johnson in den Fünfzigerjahren
die 135th Tactical Fighter Wing in Westdeutschland, ehe er 1957 ein strategisches
Kampfgeschwader in England übernahm.
Zum Air Commodore aufgestiegen,
folgten hohe Stabspositionen wie das Kommando über die 3. Bombergruppe
des taktischen Luftkommandos. 1963 erreichte James Edgar Johnson den Höhepunkt
seiner steilen Karriere, als mit der Beförderung zum Air Vice Marshal
das Oberkommando über alle NATO-Luftwaffenverbände im Mittleren
Osten folgte.1966 trat der große Flieger in den wohlverdienten Ruhestand
und verarbeitete seine Kriegserlebnisse in mehreren erfolgreichen Büchern.
Ausserdem machte er sich durch seinen großen sozialen Einsatz einen
Namen.
Noch 1988 erhielt er in Anerkennung seiner Leistungen
in Krieg und Frieden mit dem Legion d` Honneur die höchste französische
Auszeichnung verliehen.
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