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1932 im Alter von 20 Jahren in die sowjetischen
Luftstreitkräfte eingetreten, diente das spätere Spitzenass erst
drei Jahre als Unteroffizier und Flugzeugmechaniker, ehe er für die
Jagdfliegerausbildung zugelassen wurde und 1939 schließlich im 55.
Jägerregiment landete.
Als die aus den Kämpfen
über Polen, Frankreich und England kampferfahrene deutsche Luftwaffe
am 22. Juni 1941 über die unvorbereitete Rote Luftwaffe herfiel, wurde
ein Teil der russischen Geschwader noch am Boden vernichtet. Zu den wenigen
Jagdverbänden, die sich innerhalb der ersten Kriegstage gegen diese
Übermacht stellten, gehörte auch das 55. Jägerregiment.
In seinem ersten Luftkampf
hatte der unerfahrene Pokryshkin gleich das große Pech, in der Hektik
die Übersicht zu verlieren, einen eigenen leichten Bomber mit einer
feindlichen Maschine zu verwechseln und in einem überhasteten Angriff
abzuschießen. Durch den tragischen Vorfall in seinem Übermut
gebremst, ging der junge Oberleutnant mit mehr Vorsicht in die nächsten
Luftkämpfe und schoss prompt in kurzer Folge drei Deutsche ab.
Bis zum Jahresende 1941
erholte sich die angeschlagene russische Luftwaffe von den schweren Verlusten
der ersten Kriegswochen und formierte sich entlang der hart bedrängten
Moskau-Front neu.
Im Winter überstand
Pokryshkin Flaktreffer in seiner Maschine. Seine Freizeit verbrachte der
junge Offizier meist mit dem Brüten über Taktik- und Luftkampfplänen
oder der akribischen Analyse vergangener Gefechte.
1942 - im Sommer wurde
das 55. in 16. Jägerregiment umbenannt und in den Garde-Status erhoben
- stieg Oberleutnant Pokryshkin auf die neue, wendige Yak-1 um, mit deren
starker Bewaffnung er sein Konto schnell auf sieben Siege erhöhen
konnte und bereits erste Auszeichnungen erhielt. Pokryshkins Stern ging
endgültig mit dem Beginn der harten Kuban-Schlacht 1943 auf. Mit einer
in den USA gebauten P-39 Aircobra schoss er in kürzester Zeit mehrere
deutsche Bf 109 Jagdmaschinen ab und erhielt am 24. Mai 1943 als Hauptmann
für insgesamt 13 Abschüsse in 350 Einsätzen (54 Luftkämpfe)
seinen ersten „Held der Sowjetunion“ verliehen.
Aufgrund seines bereits
großen jagdtaktischen Könnens übernahm der frischdekorierte
Offizier nun bald eine Staffel des Garderegiments und zeichnete sich in
den Offensivschlachten im Südabschnitt weiter aus. Nun war keine Rede
mehr von jenem Kriegsgerichtsverfahren, welches Vorgesetzte dem jungen
Offizier noch ein Jahr vorher anzuhängen versucht hatten, weil er
immer wieder gegen Fehler in der Kommandoführung protestiert hatte.
Nun war Pokryshkin selbst Staffelkommandeur und konnte seine taktischen
Vorstellungen in die Tat umsetzen. Statt der bisher in der Roten Luftwaffe
üblichen Dreier-, führte er die beweglichere Zweierformation
ein, die nicht nur sicherer, sondern auch effektiver war. Erfunden hatten
diese Taktik die Deutschen.
Berühmt wurden
auch Pokryshkins sogenannte „Kuban-Stufen“. Seine Staffel in drei Gruppen
teilend, flog jede der Gruppen in einer anderen Höhe. In einem Luftkampf
hatte der Feind so immer jemanden im Nacken.
Nachdem die Kubanstellung
nach harten Monaten schließlich durchbrochen werden konnte, startete
die Rote Armee eine Offensive zur Rückeroberung der Krim.
Im Juni 1943 zum Major
und Kommandeur seines Elite-Regiments befördert, fielen ihm in kurzer
Zeit zwei „Stukas“, zwei Bomber, drei Transporter und mehrere Bf 109 zum
Opfer. Hierbei nutzte Pokryshkin die Feuerkraft seiner Maschine (neben
zwei 12,7 und vier 7,62 mm Maschinengewehren auch eine mächtige 37
mm Kanone) stets optimal aus.
Und so folgte bereits
Ende Juli für 30 Siege in 455 Feindflügen der zweite „Held der
Sowjetunion“ – Aleksandr Pokryshkin war somit einer der erfolgreichsten
Jagdflieger und höchstdekorierten Offiziere der Roten Armee geworden.
Seine Luftkampferfolge
pflegte der große Taktiker und erstklassige Nahschütze mit weißumrandeten,
roten Sternen auf der Motorabdeckung seines Jägers zu vermerken. Und
so nahmen oftmals deutsche Jagdflieger Reißaus, wenn sie die Klasse
ihres Gegenübers erkannten. Innerhalb des Roten Jagdfliegerkorps war
der Offizier bereits fast eine Legende und wurde von Stalins Propagandamaschine
dementsprechend in Beschlag genommen.
Im Alter von 30 Jahren
zum Oberstleutnant befördert, lehnte Pokryshkin ein gleichzeitiges
Angebot für den Posten des Leiters der Abteilung für Gefechtsausbildung
an der Jagdfliegerakademie ab, um das Kommando über die kampferfahrene
9. Garde-Jägerdivision - bestehend aus drei Regimentern - zu übernehmen.
Das Fliegerass war somit einer der rangniedrigsten Divisionskommandeure
der Luftwaffe.
Nichtsdestotrotz weiterhin
selbst im Kampfeinsatz, führte er die Division 1944 in taktischen
Operationen in Weißrussland und über Polen an.
Hierbei wurde er nach
mehreren Berichten im Sommer 1944 in einen Luftkampf gegen Hauptmann Gerhard
Barkhorn verwickelt - mit damals 200 Luftsiegen eines der absoluten Top-Asse
der deutschen Luftwaffe. Barkhorn wurde abgeschossen und schwer verwundet
in ein deutsches Lazarett gebracht. Ob sein Bezwinger wirklich Pokryshkin,
oder einer seiner Piloten war, konnte nicht geklärt werden.
Als der Divisionskommandeur
schließlich als erster sowjetischer Offizier für 53 Luftsiege
einen dritten Goldenen Stern erhielt, wurde er nach 550 Feindflügen
und 137 Luftkämpfen im Herbst 1944 vom Kampfeinsatz zurückgezogen
und als Oberst im Stab einer Luftflotte in Polen und Preußen eingesetzt.
In seinen letzten genehmigten
Einsätzen erhöhte „Sasha“ sein Konto noch auf 59 Siege und war
bei Kriegsende somit hinter Ivan Kozhedub (62) zweiterfolgreichster sowjetischer
und zugleich alliierter Jagdflieger des Krieges. Sein großes Talent
als Vorgesetzter wird durch die einmalige Tatsache untermauert, dass nicht
weniger als 30 ihm unterstellte Piloten im Laufe des Krieges mit einem
„Held der Sowjetunion“ beliehen wurden. Neben den drei Goldenen Sternen
zeigte Pokryshkins Galauniform noch sechs Lenin- und vier Rotbannerorden
sowie den „Orden der Oktoberrevolution“.
Sein altes 16. Garde-Jägerregiment
war mit 679 Luftsiegen und 15 „Helden der Sowjetunion“ das zweiterfolgreichste
Frontregiment der Luftwaffe geworden.
„Sasha“ Pokryshkin blieb
in der Luftwaffe und kommandierte während des Koreakrieges eine mit
MiG's ausgerüstete Jagdfliegerdivision – Kampfeinsätze flog er
selbst jedoch keine mehr.
Ende der Fünfzigerjahre
bereits Generalmajor und Inspekteur des Jagdfliegerkorps, stieg Pokryshkin
nach dem Kommando über den Luftverteidigungsbezirk Kiew Mitte der
Sechzigerjahre als General zum Vizestabschef der Luftverteidigung auf,
ehe er 1969 als Generaloberst den stellvertretenden Oberbefehl über
die Luftabwehrtruppen übernahm. 1972 stellte die Beförderung
zum Marschall der Sowjetunion sowie die Berufung zum Generalinspekteur
der Luftwaffe den Höhepunkt seiner phantastischen Nachkriegskarriere
dar. Beeindruckend ist die für sowjetische Verhältnisse keinesfalls
selbstverständliche Tatsache, dass Pokryshkin in all den Jahren nie
über politische Querelen stolperte und auch im Zuge aller Regierungswechsel
in seinen Ämtern verblieb.
1981 in den Ruhestand getreten, aber weiterhin militärischer
Berater der Luftwaffe, verstarb der zweifache Vater 1985 in Moskau und
erhielt ein großes Staatsbegräbnis.
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