Captain Kenneth A. Walsh Höchstdekorierter US-Marine des Krieges
Steckbrief
US MARINE CORPS
21 Abschüsse
Biographie
In New York aufgewachsen
und 1933 als gemeiner Soldat ins US Marine Corps eingetreten, wurde Kenneth
Walsh hier zum Mechaniker und Funker ausgebildet, ehe er 1935 im Alter
von 20 Jahren zur Pilotenausbildung an eine Fliegerschule versetzt wurde.
1941 als Sergeant (also Unteroffizier, was für fliegende Verbände
der US-Streitkräfte ungewöhnlich war) Jagdflieger in der VMF-121,
wurde Walsh 1942 zum Warrent Officer befördert, ehe er nach weiterer
Ausbildung im Herbst als 2nd Lieutenant zum Offizier aufstieg. Hierbei
war die Zusammensetzung seiner aus etwa zwanzig Mann bestehenden Klasse
außergewöhnlich, denn außer Walsh sollten noch zwei weitere
seiner Kameraden später die höchste Tapferkeitsauszeichnung erhalten.
Auf der neuen F4U Corsair
ausgebildet, erreichte Walsh im Februar 1943 als Pilot der VMF-124 die
Front im Südpazifik und flog erste Gefechtseinsätze über
den Inseln der Salomonen. Über den heißumkämpften Inselfestungen
Guadalcanal, Rabaul und Munda gegen seit langem erfahrene japanische Jagdflieger
angetreten, bewiesen die Piloten des USMC Courage und erzielten erste Erfolge.
Kenneth Walsh konnte sich durch bereits ausgezeichnete Angriffe von seinen
Kameraden hervorheben und erzielte in seinem ersten Luftkampf am 1. April
1943 gleich drei bestätigte Luftsiege – zwei "Zero"-Jäger und
einen "Val"-Sturzkampfbomber. Am 13. Mai unterstrich er die phantastischen
Flugeigenschaften der F4U mit zwei weiteren Luftsiegen und wurde somit
mit fünf Abschüssen das erste von vielen Corsair-Fliegerassen
des Krieges. Hierfür mit dem Distinguished Flying Cross ausgezeichnet,
ernannte man Walsh als 1st Lieutenant nunmehr zum Gruppenführer in
der VMF-124.
Von kleinen, staubigen Flugfeldern im Dschungel jeden Tag zu Einsätzen
gegen japanische Luftwaffenverbände startend, flog Walsh ebenso strategische
Aufklärung, griff mit seinen Piloten Kriegs- und Handelsschiffe an,
eskortierte Bomber für Angriffe gegen Rabaul oder schirmte eigene
Schiffsverbände in den Gewässern der Salomonen ab. Die erfolgreiche
Staffel erhielt für ihre großen Leistungen schon bald eine Distinguished
Unit Citation des pazifischen Oberkommandos verliehen.
Am 5. Juni über
zwei "Zeros" erfolgreich, folgten im August bereits die Siege 9 bis 20,
womit Walsh sich in rasender Geschwindigkeit dem von Medal-of-Honor-Träger
„Joe“ Foss aufgestellten Rekord von 26 näherte.
Am 15. August hatte Walsh als Führer einer Begleitschutzgruppe
für B-25 Bomber trotz wiederholter Treffer in seiner Maschine den
Einsatz nicht abgebrochen und selbst drei Luftsiege erzielt. Zwei Wochen
später führte der Lieutenant seine Gruppe in den Einsatz, als
der Motor seiner „Corsair“ zu stottern begann und ihn zur sofortigen Umkehr
zwang. Auf der Heimbasis angekommen, ließ sich Walsh jedoch nicht
lange am Boden halten, wechselte sofort in eine andere Maschine und flog
seinen Piloten hinterher. Doch auf dem Weg rannte das Fliegerass direkt
in einen zwischen zehn und zwanzig Maschinen umfassenden Feindverband.
Um sein Leben kämpfend, schickte der erstklassige Pilot vier "Zeros"
in die Tiefe, ehe er - bereits mit zerschossenem Leitwerk, leeren Munitionskästen
und fast trockenem Tank - im riskanten Tiefstflug seinen Verfolgern entkommen
konnte und erneut sicher nach Hause zurückkehrte. Für solche
und ähnliche Tapferkeitstaten trug der junge Marine schon bald den
Silver Star sowie mehrere Distinguished Flying Cross und Air Medals.
Den ganzen September hindurch nur selten in Luftkämpfe verwickelt
und daher ohne weiteren Erfolg, wurde der aufstrebende junge Jagdflieger
im Oktober 1943 aufgrund seiner abgelaufenen ersten Fronttour in die USA
rückversetzt. Hier als Luftkampfausbilder verwendet, wurde ein zum
Captain beförderter Walsh durch die Nachricht überrascht, dass
ihm der US-Senat in Anerkennung seiner großen Tapferkeit am 15. und
30. August (siehe oben) als 86. Soldaten des Krieges die Congressional
Medal of Honor verliehen hatte. Außerdem erhielt Walsh für beide
Tapferkeitstaten auch je eine der seltenen Presidental Unit Citations verliehen.
Durch diese hohen Auszeichnungen nicht in der Lage, seine Vorgesetzten
für das Gesuch einer erneuten Einsatztour im Pazifik zu gewinnen,
verblieb Walsh fast zwei Jahre in den Staaten, ehe er im April 1945 als
stellvertretender Staffelführer der VMF-222 wieder in den Kampfeinsatz
zurückkehren durfte. Während der Schlacht um Okinawa eingesetzt,
schoss Kenneth Walsh hier mit einer japanischen Jagdmaschine seinen 21.
Luftkampfgegner ab und beeindruckte seine Staffelkameraden durch seine
nicht verlorene Gefechtsroutine und Nervenstärke.
Bei Kriegsende der vierterfolgreichste
Jagdflieger des US Marine Corps, war der 29jährige Offizier mit der
CMH, zwei Presidental Unit Citations, zwei Distinguished Unit Citations,
sechs Distinguished Flying Cross, dem Silver Star sowie vierzehn Air Medals
einer der höchstdekorierten Soldaten der gesamten US-Streitkräfte.
Im US Marine Corps verblieben, war Captain Walsh 1949 Technischer Offizier
des 1st Marine Fighter Wing, ehe er als Staffelführer während
des Koreakrieges zum Einsatz kam. Obwohl ohne weitere Luftsiege, erhielt
die fliegende Legende hier für Jagdbombererfolge eine fünfzehnte
Air Medal, ehe 1951 erneut der Versetzungsbefehl in die Heimat erging.
1955 zum Major befördert
und Kommandeur der Marinetransportstaffel 125, kommandierte Lt. Colonel
Walsh ab 1958 das 3rd Marine Fighter Wing in Kalifornien. 1962 nach 28
erfolgreichen Dienstjahren in den Ruhestand getreten, verstarb Kenneth
Ambrose Walsh 1998 im Alter von 81 Jahren.
Quelle: „Yak, Mustang und Spitfire“
von Florian Berger, fliegerasse.at