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Als er während
der Invasionsschlacht mit der zweithöchsten Tapferkeitsauszeichnung
dekoriert wurde, war Obersturmführer Wittmann innerhalb des Heeres
der rangniedrigste Träger dieser Auszeichnung. Mit einer nur 161tägigen
Zeitspanne zwischen Ritterkreuz und Schwertern hielt der herausragende
Panzerkommandant außerdem den diesbezüglichen Rekord innerhalb
des Heeres.
Michael Wittmann trat
1934 ins Infanterieregiment 19 ein und wechselte 1937 als Unteroffizier
in die SS-Verfügungstruppe. Nach einer harten Auslese wurde der Sohn
eines Landwirtes in die Elite-SS-"Leibstandarte" des späteren Brillantenträgers
Josef Dietrich aufgenommen. Den Polen- und Frankreichfeldzug erlebte Unterscharführer
Wittmann als Angehöriger der Spähpanzerabteilung und kämpfte
bei Rotterdam, Dünkirchen, an der Somme, der Marne sowie in Flandern.
Als die Division für den Balkanfeldzug mit schwererem Gerät ausgestattet
wurde, übernahm Wittmann ein Sturmgeschütz und erhielt in Folge
für seine Leistungen das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Als im Juni 1941 der
Krieg im Osten begann, gehörte die SS-"Leibstandarte" zu den Stoßkeilen
der Heeresgruppe Süd. Bereits in seinen ersten Gefechten konnte Wittmann
sechs russische Panzer abschießen und die Grenadiere seiner Division
effektiv unterstützen. Nach schnellen Offensiven gegen die 6. sowjetische
Armee und großen Erfolgen bei Uman erreichte die Division Rostow,
wo Wittmann in den schweren Panzergefechten zweimal hintereinander verwundet
wurde (Arm, Schulter). Für seine Erfolge als Panzerkommandant erhielt
er schon bald das Eiserne Kreuz 1. Klasse überreicht. Als ihn sein
Kommandeur noch am Gefechtsfeld fragte, ob er als Belohnung für das
EK.I noch einen Wunsch habe, bat Wittmann, drei verwundete Russen von einem
nahe gelegenen Hügel abtransportieren zu lassen, den die deutschen
Sanis wegen Feindbeschuss bisher nicht gesäubert hatten. Der Kommandeur
stimmte zu.
Im Kampf gegen sowjetische
Panzer konnte sich der stets tapfer und überlegt angreifende Oberscharführer
(09.11.41) Wittmann auf eine ihm treu ergebene und eingespielte Besatzung
sowie die Überlegenheit seines Kampfpanzers verlassen. Obwohl (anfangs)
in Feuerkraft, Panzerung und Ausbildung meist unterlegen, bedeuteten die
russischen Panzer aufgrund ihrer großen Anzahl eine nicht zu unterschätzende
Gefahr. Waren anfangs schwächere Modelle wie der unbewegliche T-35
oder der unterbewaffnete T-26 die Standardmodelle der Roten Armee, tauchten
bereits Ende 1941 die ersten T-34 in den Frontverbänden auf. Diese
schwerbewaffneten und wendigen Panzer waren ein ernstzunehmender Gegner.
Die 1943/44 gebauten JS-1 oder T-85 konnten sich sogar bereits mit einem
deutschen Tiger messen. Ebenfalls nicht auf die leichte Schulter zu nehmen
waren die allgegenwärtigen Panzerabwehrgeschütze des Gegners.
Für Tapferkeit
im Gefecht zum Untersturmführer (21.12.42) ernannt (Kriegsoffizier),
nahm Wittmann in der 13. Kompanie des SS-Panzerregiments 1 an unzähligen
Abwehr- und Offensivschlachten des Jahres 1943 teil. Zu dieser Zeit waren
die Panzerregimenter der Division teilweise bereits mit dem berüchtigten
Panzerkampfwagen VI "Tiger" ausgerüstet.
Dieses 55 Tonnen schwere
Ungetüm war mit 20 km/h (700 PS) im Feld schnell und beweglich, verfügte
über eine auf bis zu 2.000 m treffsichere 8,8 cm Kanone mit einer
Mündungsgeschwindigkeit von 810 m/s und war bis zu 110 mm stark gepanzert.
Bei Bjelgorod, Prochorowka
und Charkow konnte Wittmann mit seinem Tiger an mehreren Tagen je bis zu
15 Feindpanzer abschießen. Einmal gelangen ihm während einer
heftigen Panzerschlacht sogar nicht weniger als 30 Panzer- und 28 Pak-Abschüsse.
Diese Erfolge wurden ähnlich genau gezählt wie die Siege eines
Jagdfliegers und mit weißen Abschussringen am Panzerrohr vermerkt.
Wittmann zeichnete sich immer wieder durch große Übersicht im
Gefecht und überdurchschnittliches panzertaktisches Können aus.
Während seines
Einsatzes bei Kiew und Brussilov konnte Wittmann seine Vorgesetzten abermals
durch brillante Kampfführung und Tapferkeit im Gefecht überzeugen.
Als er im Januar 1944 bei 66 Panzerabschüssen angelangt war, erhielt
er das seit langem fällige Ritterkreuz verliehen, am Vortag war er
sogar namentlich im Wehrmachtsbericht genannt worden.
Seine Besatzung trug
zu dieser Zeit bereits geschlossen das Eiserne Kreuz 1. Klasse und das
Panzerkampfabzeichen in Silber. Sein Richtschütze Oberscharführer
Balthasar Woll erhielt später für seinen Anteil an Wittmanns
Erfolgen ebenfalls, und zwar als einziger Panzerrichtschütze des Krieges,
das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen. Woll fungierte wenig später
übrigens auch als Wittmanns Trauzeuge.Wenige Wochen nach Wittmann
wurde auch dessen Kompaniechef, Hauptsturmführer Kling, mit dem Ritterkreuz
beliehen.
Kurz nach der Verleihung
an Wittmann wurde die Division bei Sherepki in unerwartet heftige Gefechte
verwickelt. Von mehreren russischen Panzerbrigaden attackiert, rückten
alle verfügbaren Tiger ins Gefecht ab. Am 13. Januar 1944 trat die
ausgezeichnete 13. Kompanie, darunter der "Zug Wittmann" zum Gegenangriff
an. Bereits nach wenigen Minuten brannten zehn russische Panzer. Als Wittmann
am Mittag des 14.01.44 seinen bereits 16. Panzer in Folge vernichtete,
reichte ihn sein Divisionskommandeur Brigadeführer Wisch mit Nachdruck
zum Eichenlaub ein - so erhielt der junge Panzerkommandeur nur 17 Tage
nach dem Ritterkreuz nun auch die nächsthöhere Stufe verliehen.
Aufgrund seiner großen
Verdienste und seiner umsichtigen Führungseigenschaften übernahm
Wittmann im Frühjahr 1944 die 2. Kompanie der schweren SS-Panzerabteilung
501. Einer seiner direkten Vorgesetzten war nun der hoch dekorierte Obersturmbannführer
Jochen Peiper, einer der bekanntesten Offiziere der Division. Die Tiger
der Abteilung konnten sich im Verband der SS-"Leibstandarte" besonders
während den Schlachten im Raum Kamenez-Podolsk auszeichnen - hier
erzielte Obersturmführer (30.01.44) Wittmann wenig später seinen
100. Panzerabschuss an der Ostfront. Hinter dem Schlachtflieger Major Rudel
war Wittmann nun bereits der erfolgreichste "Panzertöter" der Wehrmacht.
Als im Juni 1944 alliierte
Truppen in der Normandie landeten, lag die "Leibstandarte" zusammen mit
der SS- "Das Reich" zur Auffrischung in Frankreich. Am 13. Juni trat die
Division zum Angriff an. Dieser Tag sollte der vielleicht größte
von Michael Wittmann werden.
An diesem 13.06. stieß
die aus Nordafrika berühmte 7. britische Panzerdivision im Gebiet
von Villers-Bocage in Richtung der linken Caen-Flanke vor. Die Vorhut bildete
die kampferprobte 22. Panzerbrigade sowie ein Panzergrenadierbataillon.
Wittmanns Tiger stand gut getarnt unmittelbar neben der Vormarschstraße
in einem Waldstück. Ruhig und selbstsicher wie eh und je wartete der
Panzerkommandant auf den richtigen Moment anzugreifen - und zwar ohne jegliche
Unterstützung, denn dafür war keine Zeit mehr.
Als die feindliche Kolonne
auf der Höhe des Tigers war, eröffnete Wittmann aus etwa 80 Metern
Entfernung das Feuer - der erste britische Schützenpanzer explodierte
in einer Feuersäule. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Wittmann preschte
aus seinem Versteck hervor, schwenkte auf die Straße und feuerte
in kurzen Abständen Granate um Granate gegen die aufgefädelten
Fahrzeuge und Panzer. Während sein routinierter Ladeschütze immer
wieder blitzschnell nachlud, belegte der MG-Schütze die britischen
Grenadiere mit Dauerfeuer.
Durch den Überraschungseffekt
völlig überrumpelt, erwiderten die britischen Begleitpanzer erst
spät das Feuer - die starke Panzerung des Tigers und seine schnellen
Manöver verhinderten aber gefechtsentscheidende Schäden. Als
sich Wittmann schließlich zurückzog, standen 25 britische Panzer,
Lastwagen und Spähfahrzeuge ausgebrannt auf der Straße. Die
schwer angeschlagene britische Brigade kehrte zur Division zurück
- deren Kommandeur wollte es anfangs gar nicht glauben, dass die deutsche
"Angriffsmacht" aus nur einem einzigen Tiger bestanden hatte.
Als Wittmann - nun bereits
von weiteren Tigern verstärkt - nach diesem Gefecht in Richtung der
Ortschaft fuhr, erhielt sein Tiger einen schweren Pak-Treffer in die Kette.
Er und seine Mannschaft gaben den bewegungsunfähigen Panzer auf und
schlugen sich - quer durchs Gefechtsfeld - 15 Kilometer bis zur südlich
stehenden Panzerlehrdivision (Bayerlein) durch. Ohne Pause führte
Wittmann danach sofort eine Panzerabteilung nach Villers-Bocage und stopfte
die noch offene Frontlücke. Nachrückende Infanterieeinheiten
konnten am Schauplatz des Panzergefechtes insgesamt 230, meist verwundete,
britische Soldaten gefangen nehmen. Der angesehene amerikanische Militärhistoriker
und Kriegsveteran Charles E. White bezeichnete Wittmanns Angriff bei Villers-Bocage
Jahre nach dem Krieg als "eine der beeindruckendsten Heldentaten des gesamten
Krieges".
Für die Abwehr
des für die gesamte Caen-Front gefährlichen Panzerangriffes sowie
insgesamt 131 Panzer- und 132 Pak-Abschüsse reichten die Division
und das Korps Wittmann mit Nachdruck für die Verleihung der Schwerter
zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ein. Am 22. Juni 1944 erhielt der Obersturmführer
die Auszeichnung als 71. Soldat und einziger Panzerkommandant der Waffen
SS verliehen. Gleichzeitig wurde er für Tapferkeit vor dem Feind zum
Hauptsturmführer befördert. Diese Schwerterverleihung war die
erste von insgesamt neun an der Invasionsfront.
Die nun von höchster
Stelle angebotene Lehrverwendung an einer Panzertruppenschule lehnte Wittmann
jedoch ab und kehrte unmittelbar später zu seinem Elite-Regiment zurück.
Am 8. August 1944 führte
Michael Wittmann einige Tiger zum Angriff gegen amerikanische Stellungen
bei Cintheaux. Nach einem Fernduell mit einigen Feindpanzern fuhr Wittmann,
aus allen Rohren feuernd, einem in der Flanke auftauchenden Sherman-Rudel
des 1. Nordhampshire Garderegiments entgegen. Dann verloren ihn die anderen
Tiger-Kommandanten aus den Augen. Als er sich am Abend des Tages noch immer
nicht zurückgemeldet hatte, schickte die Division einen Suchtrupp
los. Man fand Wittmanns Tiger inmitten einer Reihe ausgebrannter Feindpanzer.
Er war nach einem kurzen Feuergefecht mit den britischen Shermans weiter
nach Norden vorgestoßen und nach Überquerung einer Hügelkette
mitten in eine feindliche Übermacht hineingefahren.
Von drei Seiten eingeschlossen,
wurde sein Tiger nach heftiger Gegenwehr schließlich völlig
zusammengeschossen. Kein Mitglied der hoch dekorierten Besatzung überlebte
diesen Einsatz. Einige seiner Kameraden meinten später, dass der Tiger
vorher oder nachher auch noch von einer mit Bordraketen bestückten
"Typhoon" (brit. Jagdbomber) angegriffen worden sein könnte. Inklusive
seiner großen Erfolge an der Westfront hatte Hauptsturmführer
Wittmann 138 Feindpanzer und 132 Pak-Geschütze abgeschossen.
Im Jahre 1983 wurden
Wittmann und seine Besatzung aus ihrem Soldatengrab exhumiert und auf dem
Soldatenfriedhof La Cambe beigesetzt.
Anmerkung des Autors:
Trotz
seiner großen Erfolge in Russland 1941/43 dürfte keine Verleihung
des Deutschen Kreuzes in Gold erfolgt sein.
Das ausgewiesene Panzerkampfabzeichen
in Gold ist nicht amtlich bestätigt.
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